Explore!

Es gibt so viele Orte auf der Welt, die darauf warten, entdeckt zu werden. Egal, wie Du reist und wohin - immer nimmst Du etwas mit zurück nach Hause. Reisen macht Dich vielleicht nicht zu einem anderen Menschen, aber es verändert Deinen Blick auf die Welt und auf Dich selbst. 


Grosse Pause. ZEIT FÜR NEUE DINGE UND ORTE.

Mein Sabbatical oder wie man es nicht machen sollte

Einfach mal Pause machen. Die Seele baumeln lassen. Nichts tun. Das klingt herrlich, oder? Nach mehr als zwei Jahren Pendel-Beziehung hing ich meinen Job als Hörfunk-Redakteurin an den Nagel und zog zu meinem Freund in die Schweiz. Und musste feststellen: Auch ein Sabbatical braucht einen Plan.

Die ersten Wochen nach meinem Umzug in die Schweiz sind fürchterlich. Niemand ruft an und fragt, ob man vielleicht einspringen könnte. Niemand sagt einem, wie unentbehrlich man ist. Plötzlich kein Zeitdruck mehr, keine Sende-Uhr, die den Takt vorgibt. Kein Wecker, der um drei Uhr nachts klingelt. Trotzdem wacht man von alleine auf. Und diese Sollbruchstelle geht erst nach Monaten weg.

 Man könnte gemütlich auf der Couch sitzen und ein Buch lesen. Stattdessen tigert man rastlos durch die Wohnung und fängt an, Krümel aufzusammeln. Es braucht tatsächlich eine Weile, bevor man die Zeit, die einem plötzlich zur Verfügung steht, zu schätzen und zu nutzen weiss. Trotzdem war ich froh, als ich wieder einen festen Job hatte. Erst dann fühlte ich mich irgendwie wieder "vollwertig". Was ich daraus gelernt habe? Wie sehr wir uns über unsere Arbeit definieren. Und dass man auch eine Auszeit sinnvoll planen muss. Ich hatte keinen Plan, aber habe das Beste daraus gemacht.

 

Hier könnt Ihr sehen, was man mit zehn Monaten "Freizeit" anfangen kann.


Die Frau und das Auto.

Wenn man viel Zeit hat  und unbeschäftigt wirkt, geben einem die nächsten Menschen die verrücktesten Aufgaben. Sie sagen zum Beispiel: "Du könntest Dich doch noch mal an der Universität einschreiben". Oder adäquat übergeben sie einem die Wartung und Betreuung eines alten Mercedes Geländewagen. Inzwischen kenne ich mich aus mit Relais, ich weiß, wie das Auto untenrum aussieht und dass man mit ihm selbst bei einer seitlichen Neigung von bis zu 40 Grad nicht umkippt. Theoretisch. 

Hier kannst Du übrigens sehen, wie  aus unserem G500 ein fahrbares Zuhause geworden ist.


Es ist...EIN KÄSE!

Käse selber machen, im Land der Käsemacher. Bescheuerter geht es eigentlich nicht, oder? Aber wenn man so richtig viel Zeit hat, macht man solche Sachen. Und man fängt an zu experimentieren: Taugt die Milch aus dem Supermarkt oder muss es die frische vom Bauern sein? Braucht man Lab oder tut es auch Zitronensaft? Dann Stufe zwei: Ziegen- statt Kuhmilch. Und abenteuerliche Konstruktionen, um möglichst wenig "Material" zu verschwenden. Das Ergebnis aller Varianten ist ein Mozzarella-ähnlicher Weichkäse, der furchtbar unspektakulär schmeckt. Aber wenn man ihm eine Hülle aus Salz und Kräutern verpasst und ihn mutig einige Tage reifen lässt, dann wird ein Schuh...ähm...ein Käse draus. 



My car is my castle

Ich kann Camping eigentlich nicht besonders leiden. Zelte finde ich unbequem und hellhörig.  Menschen, die um dem einbetonierten Wohnwagen Jägerzaun und Gartenzwerge aufstellen und ihren gesamten Urlaub im Liegestuhl davor verbringen, sind mir unheimlich. Die meisten Campingplätze haben ausserdem den militärischen Charme von Kleingarten-Kolonien, in denen Neuankömmlinge erst einmal kritisch beäugt werden. Toiletten und Duschen gibt es in der Regel zu wenig und deshalb sind sie häufig dreckig. Alles in allem nicht der Ort, an dem ich mir schöne Ferien vorstellen kann. Aber...

Dann kam Ququq

Mit der Ququq-Box in Herrn Puchs Kofferraum ist alles anders. Sie macht aus unserem G500 ein kleines, fahrbares Zuhause. Wir haben den Hersteller zufällig entedeckt und dachten: Cool, genau was wir brauchen! Das massive Case beherbergt einen ausziehbaren, zweiflammigen Kocher, Stauraum für Kisten mit Koch-Utensilien und zwei Wasserkanister. Aber das Beste: die ausklappbare, dicke Matratze on top. Darauf lässt sich wunderbar schlafen. Überall!

Denn das Schöne ist, dass wir mit unserem Auto beweglich und flexibel sind, schmale Strässchen und enge Durchfahrten sind kein Problem. Und falls wir es mal nicht auf einen Campingplatz schaffen, können wir auch irgendwo stehen, ohne gleich Aufsehen zu erregen. 

 

Mehr zu unseren Touren mit Herr Puch kannst Du auf camperleben.net nachlesen.


Corse, je t´aime!

"Wie konnte ich all die Jahre leben, ohne je auf dieser Insel gewesen zu sein?" Die Bimmelbahn ruckelt von Calvi zurück nach Algajola als ich mich das frage. Auf der einen Seite des Zuges ein fast schon unnatürlich türkisfarbenes Meer mit weissem Strand, an dessen Ende die Zitadelle von Calvi majestätisch in den knallblauen Nachmittagshimmel ragt. Auf der anderen Seite des Waggons dramatische Gebirgsformationen, über denen sich gigantische Gewitterwolken türmen und Regenschleier in dunkelgrün bewaldete Schluchten fallen. Ich habe mich in Korsika verliebt. Eine Woche lang hat sich die Insel geziert, Regen, Wolken und Wind haben den Segeltörn zwischen Ajaccio und Bonifacio zu einer Achterbahnfahrt gemacht. Frühstück und Abendessen in der Messe, Lesestunden unter Deck - das erste Mal für mich auf einem Sommer-Törn. Aber dann kommt sie, die Sonne und alles ist plötzlich so laisser faire! Ich begleite einen Teil meiner Crew nach Bastia, von wo es für die vier zurück nach Köln geht. Ich darf noch bleiben und erkunde den Norden Korsikas mit Bus und Bahn. Als ich am Ende der zweiten Woche in den Flieger Richtung Basel steige und noch einen letzten Blick auf das Meer werfe, bin ich ganz melancholisch und denke gleichzeitig: Was für ein perfekter Auftakt für einen neuen Lebensabschnitt!

Willst Du mehr wissen? Das ganze Segel- und Eisenbahn-Abenteuer auf Korsika gibt es hier


Wenn Dein Zuhause so schön ist, dass Du nicht verreisen willst

Der Ägeri-See. Unser See. In allen Varianten, zu allen Jahreszeiten. Ich kann mich nicht satt sehen. Gestern brachte der Föhnsturm das Wasser zum Kochen und liess Wellen über die Promenade schwappen und Gischt bis auf die Strasse wehen. Ich hatte keine Kamera zur Hand, was sehr schade war. Jedes Mal, wenn ich zurück ins Tal komme, sieht das Wasser anders aus. Ich freue mich auf den Sommer, wenn man abends noch schnell hineinspringen kann und danach bei Bruno ein Bier trinkt. Dann sind sogar die anderthalb Stunden Arbeitsweg zu ertragen. Meistens zumindest. 


Roadtrip to Greece.

Mit dem Auto von Sofia nach Neos Marmaras. Kurz vor der Abfahrt gießen unachtsame Handwerker Flüssigkleber auf die Heckscheibe unseres Autos. Völlig verschmiert rumpeln wir die A6 und die A3 Richtung Griechenland hinunter - wobei der Begriff "Autobahn" nicht wirklich zutrifft. Die erlaubten 130 km/h erreichen wir nie, die Schlaglöcher sind stellenweise Unterarm-tief. Erst säumen dichte Wälder die Straße, dann schroffe Bergflanken und später weite,  trockene Steppenlandschaften. An der Grenze zu Griechenland beginnt es zu regnen. Tapfer kämpft der Heckscheibenwischer gegen das Gemisch aus Klebstoff und Regenwasser an. Vielleicht liegt es am Wetter, dass die Grenzregion schrecklich wüst und ungastlich wirkt. Nach viereinhalb Stunden Fahrt liegt plötzlich das weiße Häusermeer von Thessaloniki vor uns, dahinter das Meer. Wir wechseln von der Autobahn auf die Schnellstraße. Man sieht Griechenland überall die tiefe Krise an: In den Ortschaften, die wir passieren, haben viele Geschäfte geschlossen, Tankstellen verrotten, Müll und Schrott liegen neben der Straße. In Neos Marmaras, auf dem mittleren Finger der Chalkidiki-Halbinsel gelegen, sind es vor allem Urlauber aus Ost-Europa, die Wirten und Hoteliers ihr Einkommen garantieren. Doch viele russische Gäste kommen wegen der Wirtschaftskrise im eigenen Land nicht mehr. Es ist der Tag nach Alexis Tsipras Wiederwahl zum griechischen Ministerpräsidenten. Die Wut auf "die da oben in Athen" sitzt tief bei vielen in diesem Küstenort im Nordosten Griechenlands. Eine junge Frau, die einen kleinen Delikatessen-Laden betreibt, setzt sich zu mir an den Tisch und schüttelt den Kopf: "Er hat einfach die Banken geschlossen. Uns vom Wichtigsten abgeschnitten, unserem Ersparten. Das werde ich ihm nie verzeihen."


Berlin, Berlin, ich fliege nach Berlin.

Reisen bildet, oder nicht? Und da ist dringend eine Berlin-Bildungslücke zu schliessen. Ich nutze die Gelegenheit und lade mich bei den Kollegen im ARD-Hauptstadt-Studio als Mitläufer und Zuarbeiter ein. Bundespressekonferenz, Bundestag, Minister-Statements...alles sehr spannend! Die unsichere Rente, Böhmenmanns  Schmähgedicht und die taumelnde SPD. Dummerweise habe ich die große Brille an, als ich meinen Dienstausweis machen lasse. Danach jedes Mal Gehassel an den Sicherheits-Schleusen, wenn ich Kontaktlinsen trage. Aus dem Bürofenster der Blick auf Spree und die geschäftige Marschall-Brücke. Plötzlich ist man mittendrin im großen Politikbetrieb.