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Herzlichen Glückwunsch, sie haben ein Haus erchattet!

Ich habe eine ganze Weile nichts geschrieben, das heisst aber nicht, dass nichts passiert ist.

Im Gegenteil, es ist jede Menge passiert, aber es fehlte einfach die Zeit und die Muße, um diesen Blog weiterzuführen. Die vergangenen Monate waren wirklich turbulent. Seit ein paar Tagen wohnen wir in unserem neuen, EIGENEN Haus und es fühlt sich wirklich toll an! Wie wir dieses Schmuckstück im Osten Göteborgs erworben haben, ist allerdings eine wirklich kuriose Geschichte. 

Anders als in Deutschland ist ein Hauskauf in Schweden keine "Sache fürs Leben". Ein Haus wird gekauft, wenn es für die derzeitige Lebenssituation gerade passt und wenn es nicht mehr passt, wird etwas anderes - meist größeres - gesucht. Wer kann, kauft und für die wenigen Mietobjekte gibt es vor allem in den Großstädten jahrelange Wartelisten. Wie dünn der Mietmarkt ist, haben wir selber auf unserer Suche nach einer Bleibe in Göteborg erlebt. Zum Glück hatten wir die Unterstützung einer Relocation Agentur, aber die Miete für unser erstes Haus war so unverschämt hoch, dass wir uns entschieden, nach etwas Eigenem zu schauen.

 

Wir begannen also, die Angebote auf den einschlägigen Immobilienseiten zu checken. Das erste Haus, das wir uns ansahen, war ein putziges, gelbes Holzhaus, mit einem kleinen, gut gepflegten Garten. Wir versicherten dem Makler, dass wir an dem Objekt interessiert seien und gaben ihm unsere Mobil-Nummer. Drei Tage später erhielt mein Lebensgefährte eine kryptische SMS, die er nicht verstand - sie war auf Schwedisch und schien trotz Google Translate keinen Sinn zu machen. Gleichzeitig bemerkten wir, dass der Verkaufspreis für das Haus im Internet plötzlich um etliche zehntausend Kronen gestiegen war. Mehr noch, nach einem weiteren Tag, lag der Preis deutlich über unserem festgelegten Budget. Wie konnte das sein? Bekannte erklärten uns schließlich, dass in Schweden Immobilien in einem Bieterverfahren ersteigert werden. Das heisst, es gibt einen Startpreis und wenn man sich für die Immobilie interessiert, bietet man darauf. Das passiert üblicherweise per SMS. Im Internet kann man diesen - normalerweise über zwei Tage andauernden - Prozess verfolgen. Ziemlich schnell war uns klar, in welche Bieterverfahren es sich für uns überhaupt einzusteigen lohnte - in unser bevorzugten Wohngegend lagen bereits die Startpreise der Immobilien über unserem Limit. 

 

Wir verbrachten einige Wochenenden mit Besichtigungsterminen, erweiterten zum Glück und fanden schließlich unser jetziges Haus im Norden von Göteborg. Es entsprach unseren Vorstellungen und unserem Budget und vor allem schien es innen und außen in ausgezeichnetem Zustand zu sein. Zusammen mit fünf anderen Interessenten stiegen wir ins Bieterverfahren ein. Wann immer wir ein Gebot abgeben wollten, schickten wir dem Makler - oder einer dafür abgestellten Person im Maklerbüro - eine SMS mit dem entsprechenden Betrag, um den wir den zuletzt bestehenden Preis erhöhen wollten. Ich war vielleicht nervös, als ich unsere erste SMS abschickte! Jetzt nur nichts falsches tippen! An Tag zwei des Bieterverfahrens rief mich der Makler am späten Vormittag an und gratulierte mir. "Herzlichen Glückwunsch. Wenn Sie möchten, gehört das Haus Ihnen. Der letzte Mitbieter ist eben ausgestiegen." Ich freute mich riesig! Noch im selben Gespräch vereinbarten wir das weitere Vorgehen, wozu die Vermittlung unseres Bank-Kontaktes sowie eine Verabredung zur Kaufvertrags-Unterzeichnung schon am nächsten Tag gehörte. Na, das geht ja schnell, dachte ich noch. Abends, wir stießen gerade mit einem Bier auf unseren Hauskauf an, piepte mein Mobiltelefon. Ich stutze und konnte kaum glauben, was ich sah. Nummer fünf, der letzte Mitbieter, der laut Makler bereits ausgestiegen war, hatte doch noch ein Gebot abgegeben. Ich war ausser mir! Was für eine Unverschämtheit! Da wir wussten, dass Reine - so hieß unser Makler - das Gebot ohnehin erst am nächsten Tag sehen würden, schickten wir ihm eine email und beschwerten uns über diese ziemlich dubiose Vorgehensweise. Kleinlaut rief der Makler am nächsten Morgen an und beteuerte, dass sei nicht auf seinen Mist gewachsen. Der Verkäufer des Hauses habe darauf bestanden, das Bieterverfahren erst zu schließen, wenn der Vertrag unterschrieben sei. Und unser Mitbewerber sei tatsächlich noch einmal bei seiner Bank vorstellig geworden, um noch etwas mehr Geld herauszuhandeln. Ziemlich verärgert machte ich Reine klar, dass ich mich auf dieses Spiel nicht einlassen wollte. Ich sagte ihm, dass ich ein letztes, geringes Proforma-Gebot abgegeben würde, um uns endgültig den Zuschlag zu sichern, aber dass er dann das Verfahren sofort beenden müsse. Der Makler willigte ein. Ich schickte also eine weitere sms mit dem Betrag von 5000 Kronen  (ein lächerlicher und viel zu geringer Betrag, wie mein Lebensgefährte immer noch meint) und glaubte an Reines Ehrlichkeit. Aber kaum hatte ich die Nachricht abgesetzt, schoss unser Mitbewerber mit der Nummer fünf ein Gebot in ähnlicher Größenordnung nach. Was jetzt? Kersten und ich berieten uns. "Jetzt setzten wir mal ein Zeichen und bringen das Ding zu Ende", sagte er schließlich genervt. Nachdem wir noch einmal einen fünfstellig Ziffer per sms verschickt hatten, blieb das Mobiltelefon stumm. Am nächsten Abend unterschrieben wir im Maklerbüro den Kaufvertrag. Und das weisse Haus mit dem schönen, alten Birnbaum im Garten gehört seitdem uns.

 

 

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