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Der Hund, Herr Puch und ich

Mein Freund ist beruflich unterwegs, das Wetter ist traumhaft schön und ich habe Sommer-Ferien (so wie alle Lehrer in Schweden ab Ende Juni). Ich beschließe deshalb spontan, mit Bella und unserem Camper "Herr Puch" ans Meer zu fahren. Auf dem Weg will ich einen Zwischenstopp in Lysekil einlegen, einem Küstenort etwa 100 Kilometer nordwestlich von Göteborg. Dort habe ich mich mit Freunden verabredet, die gerade eine kleine Rundreise durch Schweden machen, bevor sie im August zurück nach Deutschland zurückkehren werden. Wir essen am Hafen zu Mittag und schlendern danach durch den Ort, der ein recht hübsches Fischerviertel mit kleinen weißen Holzhäusern hat, einen netten Marktplatz und ein paar Geschäfte, in die es sich zu schauen lohnt. Am Nachmittag verabschieden wir uns von einander und verabreden uns für den nächsten Vormittag in Smögen. Meine Freunde haben eine Übernachtung in einem Wellness-Hotel in der Nähe gebucht, ich will mir irgendeinen schönen Platz an der Küste suchen, an dem ich mit Herr Puch übernachten kann. 

 

Ich schaue mir auf der Karte die Satelliten-Ansicht der Küste oberhalb von Lysekil an und finde eine Stelle, die verheißungsvoll aussieht. Eine Bucht, zu der ein Feld- oder Schotterweg zu führen scheint. Das Gelände ist felsig und mit Sträuchern und kleinen Birken durchzogen. Es wirkt wie ein aufgegebener kleiner Natur-Hafen und tatsächlich entdecke ich ein paar Holzboote, die fast komplett vom Gestrüpp überwachsen sind. Als ich um kurz vor sechs mit dem Camper in der Bucht ankomme, bin ich fast alleine. Etwas entfernt, auf einer kleinen Landzunge direkt am Wasser, steht ein Camping-Bus. Ich suche mir eine gute Stelle zwischen den Birken und beginne, meine Sachen auszupacken und das Abendessen vorzubereiten. Als ich gerade die Nudeln gekocht habe, biegt ein Kleinwagen mit deutschem Kennzeichen vom Schotterweg ins Gelände ab. Die groben, lockeren Steinplatten schlagen in den Unterboden und nach ein paar Metern steigt eine junge Frau aus und lotst den Fahrer im Rückwärtsgang vorsichtig wieder Richtung Straße. Für sie gibt es hier kein Weiterkommen. Ich realisiere, wie gut ich es mit unserer geländegängigen G-Klasse habe. Nach kurzer Zeit fährt ein weiterer Camper - mit genügend hohem Unterboden - an mir vorbei und sucht sich einen Platz zwischen den Büschen. Dann noch einer. Die Fahrzeuge stehen aber so weit entfernt, dass wir einander nicht stören und es gut zu wissen, dass ich nicht ganz alleine bin.

Ich gehe mit Bella spazieren und halte bei der Gelegenheit ein kurzes Schwätzchen mit dem jungen Paar vorne auf der Landzunge. Sie kommen aus München und erzählen mir, dass sie den Platz über eine App gefunden haben, die einem anzeigt, wo man mit seinem Campingbus legal stehen kann, wenn man nicht auf einen Campingplatz möchte. Denn auch das Allemansrätterlaubt es einem in Schweden nicht überall einfach zu übernachten,  Ich lade sie mir sofort herunter. Als ich zu meinem Stellplatz zurückkomme, hat sich ein weiterer Bus eingefunden, aus Celle, direkt mir gegenüber, in etwa fünf Meter Entfernung. Ich rolle mit den Augen. Warum müssen sich Leute an Stellen, an denen es eigentlich genug Platz gibt, so dicht neben einen quetschen? Es sind vermutlich die gleichen Menschen, die sich auf einem leeren Parkplatz neben das einzige andere Auto stellen. Ich lasse Bella ein bisschen an der langen Leine herumschnüffeln, während ich die Matratze im Auto aufklappe und hoffe, dass sie das nicht leiden mögen. Tatsächlich scheinen sie selber zu realisieren, dass sie mir ein wenig zu dicht auf die Pelle gerückt sind. Das Paar packt seine Sachen wieder ein und rollt ein Stück weiter ins Dickicht. 

 

Ich mache mir ein Bier auf und setze mich in die Abendsonne. Als ich später in der spärlichen Dämmerung versuche, einzuschlafen, denke ich, dass ich wenigstens keine Angst davor haben muss, dass mich irgendjemand klaut in der schwedischen Wildnis.

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