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Smögen Teil 1 - Highlife im Hafen -

Idyllische Ruhe vor dem Sturm

Smögen, so sagte man uns, sei quasi das Sylt Westschwedens. Und dass aus dem Hafenbecken regelmässig tonnenweise leere Wein-, Bier- und Champagner-Flaschen gefischt werden müssten. Das allein klang schon interessant, aber die unfassbar pittoresken Bilder im Internet bestärkten meinen Entschluss, dem Ort, ca. 130 Kilometer nördlich von Göteborg einen Besuch abzustatten. Nach meiner Nacht im Camper in einer wunderbaren Bucht zwischen Lysekil und Brastad (siehe auch "Nur das Meer, der Himmel und ein VW-Bus aus Celle"), mache ich mich früh auf den Weg Richtung Smögen, in der Hoffnung, dort ein gutes Frühstück und eine Toilette zu finden.

 

Bereits die Anfahrt ist wie der Auftritt auf eine Show-Bühne. Die letzten Kilometer winden sich an Kungshamn und Sandberg vorbei durch eine fast unwirklich anmutende Felslandschaft, lediglich bewachsen von einigen Unmengen von Hagebutten und sonst nur von ein paar kleinen Kiefern. Dann führt die Straße zum Smögenbron hinauf, zur Brücke, die das Festland mit der Insel, auf der Smögen liegt, verbindet. Mir stockt der Atem vor lauter Aussicht und ich gehe unwillkürlich vom Gas. Der Blick auf die vom eiszeitlichen Eis in bizarre Formen gezwungene Felslandschaft ist phantastisch. Der Fahrer im Auto hinter mir, betätigt ungeduldig die Lichthupe und ich zwinge mich, weiter zu fahren. Es ist gerade erst neun Uhr durch und der Ort ist noch völlig ausgestorben. Ich parke Herrn Puch (so nennen wir unseren G-Klasse-Camper liebevoll) vor der Kirche und halte Ausschau nach einem Café oder einer Bäckerei. Ich werde schnell fündig, bekomme bei der Rückgabe meines Geschirrs und der diskreten Frage nach einer Toilette allerdings erklärt, dass es lediglich öffentliche Toiletten auf dem Marktplatz gebe. Ein Blick ins Innere treibt mir fast die Tränen in die Augen, aber es hilft nichts...

 

Danach brauche ich sehr viel frische Luft und laufe mit Bella zum Hafenkai hinab, zur Smögenbryggan. Hier liegen elegante Segelyachten und protzige Motorboote dicht an dicht am Holzsteg. In dem schmalen, schlauchartigen Hafenbecken einen Platz zu finden, ist eine echte Herausforderung - geschweige denn hier ein Boot zu wenden, ohne mit einem anderen zu kollidieren. Ich nehme mir vor, dass das der letzte schwedische Hafen sein wird, in den ich einfahre, sollte ich je ein Boot besitzen. Am Kai und auf den Booten herrscht rege Betriebsamkeit, Decks werden geschrubbt und von den Party-Überbleibseln der Nacht gereinigt. Junge Männer mit unbekleideten, gut gebräunten Oberkörpern hieven Müllsäcke mit leeren Bierdosen auf den Steg. Ich muss grinsen, ein bißchen kenne ich dieses Boot-Party-Leben ja selbst. Der hintere, und vermutlich meist fotografierte Teil des Hafens, mit seinen zuckersüssen, bunten Bootshäusern ist noch ganz still. Ich genieße die Ruhe, denn ich ahne, wie es hier ein paar Stunden später sein wird. Ich bin am frühen Mittag mit Freunden verabredet und habe immer noch genügend Zeit. Ich beschliesse deshalb, über die Felsen zum Meer zu gehen. Ein in den Stein gehauener Pfad führt uns zwar Richtung Wasser, endet aber auf dem gewaltigen, steinernen Plateau, das wie ein Riegel vor Smögen liegt. Ins Wasser kommt man dort nur über grobe Felsbrocken oder steil abfallende Steinwände. Bella und ich suchen uns einen hübschen Platz und legen uns in die Vormittagssonne. Es ist herrlich den vorbeiziehenden Schiffen und Booten zuzusehen. Links von uns posieren ein paar Schweizer für Instagram oder ein anderes soziales Netzwerk und so langsam kommen immer mehr Menschen hinaus auf die Felsen. 

 

Als ich um kurz nach zwölf in den Ort zurückkehre, ist dort die Hölle los! Menschenmassen drängen sich über den Holzsteg am Hafen und in die Geschäfte. Ich treffe meine Freunde, die auch schon ein bisschen genervt sind von all dem Trubel. Mit Bella und den vielen anderen Hunden ist es doppelt anstrengend. Auch für meine Freunde mit ihrer Tochter ist es nicht wirklich entspannt. Wir beschließen deshalb uns zu trennen - sie wollen noch ans Meer und dann weiter Richtung Norden - ich will zurück nach Göteborg. Ich lasse den Arm aus dem offenen Seitenfenster hängen und mache die Musik laut, als ich über den Bohuslän Kustväg gemütlich wieder Richtung Süden cruise.

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